Was sind die Kontraindikationen für das späte Abnabeln?
Ärzte raten vom späten Abnabeln bei Frauen mit abnormalen Plazenten und bei Frauen ab, die bereits eine Nachgeburtsblutung hatten. Und natürlich in Fällen, in denen Babys mit einem unmittelbaren Behandlungsbedarf zur Welt kommen.
Studien haben jedoch gezeigt, dass das frühe Abnabeln keinen Einfluss auf die Plazentalösung oder die Nachgeburtsblutung hatte [9]. Und dass es selbst bei kritisch kranken Babys manchmal sinnvoll war, 30 Sekunden zu warten, bevor man abnabelt und die Versorgung „vor Ort" durchführt [10] (auch wenn dies aus praktischer Sicht oft sehr schwierig ist, insbesondere bei einer kurzen Nabelschnur).
Es gäbe kein zusätzliches Risiko, bei einem Kaiserschnitt etwas länger mit dem Abnabeln zu warten – weder für das Kind noch für die Mutter. Die Teams müssen lediglich dafür sorgen, dass das Kind in diesen wenigen Minuten warm gehalten wird.
Und was ist mit der Lotus-Geburt?
Es gibt Praktiken eines noch späteren Abnabelns.
Bei der „Lotus-Geburt" wird die Nabelschnur nicht durchtrennt: Sie bleibt so lange befestigt, bis sie sich von selbst löst. Wissenschaftlich gesehen sind die Auswirkungen eines noch späteren Abnabelns nicht eindeutig, da der Großteil der Transfusion offenbar in den ersten 3 Minuten stattfindet [11].
Natürlich geht die Praxis der Lotus-Geburt über den reinen Aspekt der Transfusion hinaus: Ihr Ziel ist es, dem Baby zu ermöglichen, nicht „aufgeschreckt" zu werden, diese erste Verbindung zur Mutter schrittweise zu lösen und in seinem „Kokon" zu bleiben, um sanft anzukommen.
Studien berichten jedoch von Fällen bakterieller Infektionen der Plazenta, die dann auf das Baby „übergehen" könnten [12] [13], einer Nabelschnurinfektion (sogenannte Omphalitis, die bei Kindern in 15 % der Fälle tödlich verläuft) [14] sowie von Risiken der Bildung von Blutgerinnseln [15]. Dies sollte also mit deiner Hebamme oder einer medizinischen Fachkraft besprochen werden!