Einige Faktoren können insbesondere bei der Vorbeugung der Nachgeburtsblutung berücksichtigt werden.
Unnötige Geburtseinleitungen vermeiden
Eine Geburtseinleitung mit synthetischem Oxytocin und ein verlängerter Einsatz dieses synthetischen Hormons gelten als Risikofaktoren für eine Uterusatonie.[10]
Dieses synthetische Hormon löst nämlich häufigere, längere und stärkere Uteruskontraktionen aus als das vom Körper natürlich ausgeschüttete, was die Möglichkeit einer "Erschöpfung" der Uterusmuskulatur erhöht.
Das Baby direkt nach der Geburt Haut-zu-Haut legen und stillen
Das sofortige Haut-zu-Haut-Legen des Babys nach der Geburt kann insbesondere die Oxytocinproduktion fördern. Haut-zu-Haut erleichtert auch den Beginn des Stillens. Dieses wiederum ermöglicht es durch die Bruststimulation, den Uterus zusammenzuziehen, sodass er schneller seine normale Größe zurückgewinnt und die Blutung dadurch verringert wird.
Laut einer randomisierten Studie aus dem Jahr 2018 mit 108 Geburten hat die Bruststimulation ähnliche Wirkungen wie eine Behandlung mit synthetischem Oxytocin während der dritten Geburtsphase [11]. Dieses synthetische Hormon wird häufig eingesetzt, um Blutungen zu reduzieren. Darüber hinaus berichteten Mütter, die eine Bruststimulation erhalten hatten (in der Studie mit einer Milchpumpe), von weniger postpartalen Schmerzen und hatten ein besseres Geburtserlebnis.
Laut einem Cochrane-Review konnte eine Bruststimulation vor der Geburt zur Einleitung der Wehen in gewissem Maße starke Blutungen verhindern. Die Rate der Nachgeburtsblutung betrug bei Stimulation 0,7 % gegenüber 6 % ohne Stimulation[12].
Die Forschenden konnten die Oxytocinspiegel im Speichel vor und nach der Bruststimulation messen und zeigen, dass die natürlichen Spiegel danach tatsächlich anstiegen.[13]
Das Management verbessern
Zur Schätzung des Blutverlusts verwenden Fachkräfte im Gesundheitswesen eine visuelle Einschätzung. Laut Studien werden im Durchschnitt kleinere Blutmengen häufig überschätzt, während größere Verluste dazu neigen, unterschätzt zu werden[14]. Es ist jedoch möglich, alle Blutungen während der dritten Geburtsphase (außer Plazenta und Eihäute) aufzufangen, um die Verluste genauer zu messen.
Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat insbesondere Empfehlungen zur Verringerung des Blutungsrisikos herausgegeben. Die Konsultation von Expertinnen und Experten führte zur Definition von zwei Maßnahmenpaketen, die in Einrichtungen umgesetzt werden sollen. Das Paket „Erste Reaktion" umfasst insbesondere Uterotonika, isotonische Kristalloide, Tranexamsäure und Uterusmassage. Das Maßnahmenpaket bei refraktärer postpartaler Hämorrhagie umfasst anschließend Kompressionsmaßnahmen (aortale oder bimanuelle Uteruskompression), das nicht-pneumatische Antischockkleidungsstück und die intrauterine Ballontamponade. Sensibilisierung, Schulung, Teamarbeit, Überwachung, Kommunikation und die Anwendung klinischer Best Practices wurden von der WHO als Schlüsselelemente des Managements definiert [20].
Laut einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2023 könnte die Vorbeugung von Blutungen durch die Beobachtung bestimmter Parameter bei der Patientin möglich sein [21]. Die Intervention umfasste ein kalibriertes Blutentnahmetuch zur Früherkennung von Blutungen sowie ein Erstmaßnahmenpaket (Uterusmassage, Oxytocininfusion, Tranexamsäure, intravenöse Flüssigkeiten, Untersuchung und Überwachung). Eine postpartale Hämorrhagie wurde so bei 93,1 % der Patientinnen in der Interventionsgruppe und bei 51,1 % derjenigen ohne diese Begleitung und Maßnahmen festgestellt. Dies ermöglichte eine Reduzierung schwerer Blutungen um 60 %.
Lebensmittel mit natürlich hohem Vitamin-K-Gehalt zu sich nehmen
Viele gehen davon aus, dass schwangere Frauen mit einem Vitamin-K-Mangel ein höheres Risiko für eine Nachgeburtsblutung haben. Ohne Vitamin K kann das Blut nicht normal gerinnen, was bedeuten kann, dass die Gerinnung lange dauert oder ganz ausbleibt.
Gerinnungsstörungen machen jedoch nur einen kleinen Teil der Blutungsfälle bei der Geburt aus. Eine Studie an Frauen im Wochenbett konnte keinen Zusammenhang zwischen einer Vitamin-K-Supplementierung während der Schwangerschaft und einer postpartalen Hämorrhagie nachweisen [15]. Aber sich mit natürlich vitamin-K-reichen Lebensmitteln einzudecken kann dir nicht schaden!
Der geschätzte Tagesbedarf beträgt 60 µg für Erwachsene sowie schwangere oder stillende Frauen und 50 µg für Kinder. Traditionell haben wir mehr vitamin-K-reiche Lebensmittel konsumiert, insbesondere K2 wie fermentierte Lebensmittel und Eigelb, was heute weniger der Fall ist[16]. Der Körper speichert Vitamin K nur in sehr geringen Mengen, die Reserven werden daher ständig erneuert[17].
Deine Tagesdosis findest du in: 10 g Grünkohl, 15 g Petersilie, 25 g Spinat, 30 g Rosenkohl, 45 g Brokkoli oder 110 g Sauerkraut [18].
Brennnesseltee ist ebenfalls eine Quelle für Vitamin K (100 g gekochte Brennnessel liefern 498 µg Vitamin K) sowie andere Mineralstoffe wie Kalzium, Eisen und Magnesium[19]. 2 bis 5 g getrocknete Brennnesselblätter etwa zehn Minuten lang ziehen lassen, dabei unbedingt einen Deckel auf die Tasse legen. Am Ende der Schwangerschaft 3-mal täglich trinken!